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Klein, leise, bergtauglich
Lautlos, kompakt und erstaunlich souverän: Der neue Nissan Micra mit Elektroantrieb stellt sich auf der Klausenstrasse dem Alltag im Bergkanton.
Die Testfahrt zeigt, wie sich das Stadtauto auf Steigungen, engen Kurven und im Überlandverkehr schlägt. Ein sachlicher positiver Eindruck.
Von Michel Bossart
Der Startpunkt liegt in Ennenda. Ein Druck auf den Startknopf genügt, der Nissan Micra setzt sich lautlos in Bewegung. Ziel der Testfahrt ist die Klausenstrasse bis zur Stichplattenkehre – eine Strecke, die im Kanton Glarus schnell zeigt, wie ein Fahrzeug mit Steigung, engen Kurven und wechselndem Belag umgeht. Nissan bewirbt den neuen Micra als «neu geborenes, vollelektrisches Stadtauto mit noch mehr Persönlichkeit». Die Fahrt ins Gebirge zeigt jedoch rasch, dass sich das Fahrzeug nicht auf den städtischen Raum beschränken lässt.
Schon auf den ersten Steigungen fällt die gleichmässige Kraftentfaltung auf. Der Elektromotor stellt sein Drehmoment ohne Verzögerung zur Verfügung. Der Micra beschleunigt zügig, bleibt dabei ruhig und gut kontrollierbar. Auch bei stärkerer Steigung wirkt das Fahrzeug nicht angestrengt. Für den alpinen Alltag mit kurzen, aber teils steilen Abschnitten ist das ein zentraler Punkt. Das kompakte Format und das überschaubare Gewicht zahlen sich hier aus.
Kontrolle bergab, Präzision im Kurvenraum
Auf der Bergabfahrt rückt die Rekuperation in den Vordergrund. Die Energierückgewinnung ist über das Display jederzeit sichtbar und gut nachvollziehbar. Nimmt man den Fuss vom Strompedal, verzögert das Fahrzeug spürbar, ohne ruckartig zu bremsen. Das erhöht die Sicherheit und trägt zur Effizienz bei. Der Fahrfluss bleibt erhalten, was auf längeren Gefällstrecken angenehm auffällt.
Auf schmalen Kantons- und Gemeindestrassen zeigt sich der Micra sehr handlich. Die Lenkung spricht direkt an, das Fahrwerk federt sauber und schluckt Unebenheiten zuverlässig. In Kurven bleibt das Fahrzeug stabil, ohne hart zu wirken. Gerade auf engen Abschnitten vermittelt der Micra Übersicht und Kontrolle. Auch im Dorfkern überzeugt die Wendigkeit. Parkieren gelingt einfach, auch wenn ausser der Rückfahrkamera keine zusätzlichen Parkassistenzsysteme vorhanden sind.
Funktionales Cockpit und ruhiger Innenraum
Im Innenraum setzt Nissan auf Funktionalität. Das Cockpit ist übersichtlich gestaltet, das Display gut ablesbar. Zentraler Bestandteil des Infotainments ist das von Nissan beworbene Google Built-in. Google Maps, Google Assistant und weitere Google-Dienste sind direkt ins Fahrzeug integriert und lassen sich ohne Smartphone nutzen. Navigation, Sprachsteuerung und Routenführung funktionieren dadurch nahtlos. Ergänzend stehen auch Android Auto und Apple CarPlay zur Verfügung und funktionieren zuverlässig. Vorne sitzt man bequem mit angenehmer Sitzposition. Im Fond wird es enger, insbesondere im Fussraum. Für kurze Strecken ist der Platz ausreichend, für längere Fahrten eher knapp.
Positiv fällt das Geräuschniveau auf. Zwischen 50 und 80 km/h bleibt der Innenraum sehr ruhig. Wind- und Abrollgeräusche dringen kaum durch. Telefonate lassen sich problemlos führen, Gespräche gelingen ohne angehobene Stimme.
Assistenz mit Augenmass, Bedienung nach Wahl
Bei den Assistenzsystemen beschränkt sich der Micra bewusst auf das Wesentliche. Tempomat und Geschwindigkeitsbegrenzer gehören zur Grundausstattung. Besonders der adaptive Tempomat überzeugt im Überlandverkehr. Er hält automatisch Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und passt die Geschwindigkeit selbstständig an. Der von Nissan zusammengefasste Active Assist kombiniert unter anderem eine aktive Spurunterstützung mit einem Notbremsassistenten, der auch Fussgänger und Velofahrende erkennt. Die Systeme greifen unterstützend ein, bleiben dabei aber im Hintergrund. Sie übernehmen keine Kontrolle, sondern helfen, kritische Situationen früh zu entschärfen.
Das One-Pedal-System erlaubt es, das Fahrzeug weitgehend mit nur einem Pedal zu steuern. Beim Lupfen des Strompedals verzögert der Micra so stark, dass in vielen Situationen kein zusätzliches Bremsen nötig ist. Nissan positioniert diese Funktion als Komfortlösung für den Stadtverkehr. In der Praxis ist sie eine Frage der Gewohnheit. Wer klassisch mit zwei Pedalen fahren möchte, kann das System deaktivieren.
Insgesamt präsentiert sich der elektrische Micra als sachliches, durchdachtes Fahrzeug ohne Effekthascherei. Als Stadtauto konzipiert, überzeugt er im Bergkanton Glarus auch abseits des städtischen Umfelds. Seine Stärken liegen in der leisen Fortbewegung, der guten Bergtauglichkeit und der einfachen Handhabung.
Test-Fahrzeugdaten
Marke: Nissan
Modell: Micra 52 kWh Evolve
Motor: Elektromotor
Getriebe: Frontantrieb
Max. Leistung: 110 kW / 150 PS
Batterie + Reichweite: 52 kWh, ca. 416 km
Ladeleistung: 100 kW
Performance: 0–100 km/h in 8,0 s, Höchstgeschwindigkeit 150 km/h
Verbrauch: Ca. 14,7 kWh/100 km
Länge: 3,97 m
Breite: 1,83 m
Höhe: 1,50 m
Gewicht: 1452 kg
Energieeffizienz-Kategorie: B
Preis Testwagen: 34 850 CHF (inkl. MWST)
Ausstattung Testfahrzeug:
Evolve, Lackierung Zweifarben-Lackierung Mystery Black